Kurz erklärt
Der Psi-Wert (griechischer Buchstabe ψ) beschreibt den zusätzlichen Wärmeverlust, der entlang einer Linie – also einer linearen Wärmebrücke – auftritt. Anders als der U-Wert, der sich auf eine Fläche bezieht (W/(m²K)), wird der Psi-Wert längenbezogen angegeben: in Watt pro Meter und Kelvin, also W/(m·K). Er beantwortet die Frage, wie viel Wärme über einen laufenden Meter einer Anschlussfuge oder eines Randverbunds zusätzlich verloren geht.
Wärmebrücken entstehen dort, wo sich Bauteile, Materialien oder Geometrien treffen und die Dämmung geschwächt ist. Solche linearen Schwachstellen lassen sich nicht mit dem flächenbezogenen U-Wert allein abbilden – dafür ist der Psi-Wert das passende Maß. Je kleiner der Psi-Wert, desto geringer der zusätzliche Verlust an dieser Linie.
Wo der Psi-Wert bei Fenster und Haustür wirkt
Zwei lineare Wärmebrücken sind für Fenster und Haustüren besonders relevant:
- Glasrandverbund – die Kante zwischen Verglasung und Rahmen. Hier bündelt sich der Wärmefluss entlang des Abstandhalters. Der zugehörige Psi-Wert wird nach EN ISO 10077-1/-2 berücksichtigt (Quelle: EN ISO 10077-1/-2). Eine Warmkante (thermisch getrennter Abstandhalter) senkt diesen Psi-Wert gegenüber einem klassischen Aluminium-Abstandhalter qualitativ ab.
- Einbaufuge – der Anschluss zwischen Blendrahmen und Baukörper (Laibung, Sturz, Brüstung). Wie viel Wärme hier zusätzlich entweicht, hängt von der Einbausituation und der Ausführung des Anschlusses ab und wird über Wärmebrücken-Berechnungen nach EN ISO 10211 erfasst (Quelle: EN ISO 10211).
Bezug zum U-Wert
Der Psi-Wert ist keine isolierte Kennzahl, sondern fließt in die Gesamtbewertung des Bauteils ein. Beim Fenster geht der Psi-Wert des Glasrandverbunds zusammen mit Ug (Verglasung) und Uf (Rahmen) sowie den jeweiligen Flächen- und Längenanteilen in den Uw-Wert des gesamten Fensters ein (EN ISO 10077-1). Deshalb ist der Uw-Wert in der Regel nicht einfach der Mittelwert aus Ug und Uf.
Über die Einbaufuge kommt der Psi-Wert ein zweites Mal ins Spiel: Er erklärt, warum der real eingebaute U-Wert eines Fensters oder einer Haustür schlechter ausfallen kann als der im Labor ermittelte Bauteilwert. Eine fachgerechte, wärmebrückenarme Montage begrenzt diesen Zuschlag. [Konkrete Psi-Werte sind produkt- und einbauspezifisch und gegen Herstellernachweis bzw. Berechnung nach EN ISO 10077-2 / EN ISO 10211 zu prüfen. Wert prüfen.]
Worauf es ankommt
Für die Praxis heißt das: Ein sehr guter U-Wert von Rahmen und Glas nützt nur dann voll, wenn auch die linearen Wärmebrücken – Glasrand und Einbaufuge – gering gehalten werden. Warmkante am Glasrand und ein sauber geplanter, gedämmter Anschluss an den Baukörper wirken beide über den Psi-Wert und verbessern den eingebauten U-Wert.
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