Das Wichtigste vorab
Straßenverkehr, Bahnlinie, Flugverkehr oder eine belebte Nachbarschaft – Lärm ist für viele der Grund, über neue Fenster nachzudenken. Ein Fenster ist akustisch meist die schwächste Stelle der Außenwand, und genau hier setzt der Schallschutz an. Wie viel Lärm draußen bleibt, hängt aber nicht an einer einzigen Kennzahl, sondern am Zusammenspiel von Verglasung, Profil und Einbau. Dieser Ratgeber ordnet die Begriffe sachlich ein und zeigt, worauf es bei einem Schallschutzfenster ankommt.
Wie ein Fenster Schall dämmt
Schalldämmung entsteht an einem Fenster nicht an einer, sondern an drei Stellen:
- Verglasung – die größte Fläche und damit der wichtigste Hebel. Maßgeblich sind Scheibendicke, Scheibenabstand und der Aufbau (siehe unten).
- Profil und Dichtungen – Rahmen und Flügel mit ihren umlaufenden Dichtungsebenen schließen den Flügel gegen den Rahmen ab. Zusätzliche Dichtungsebenen wirken tendenziell günstig auf die Schalldämmung.
- Einbau – die Bauanschlussfuge zwischen Fenster und Wand. Eine undichte Fuge oder ein ungedämmter Rollladenkasten kann den Schallschutz einer sonst guten Konstruktion zunichtemachen.
Bewertet wird die Luftschalldämmung über ein bewertetes Schalldämm-Maß in Dezibel (dB). Der Kennwert wird im Prüfstand ermittelt (Verfahren nach EN ISO 10140) und nach EN ISO 717-1 zu einer einzelnen Zahl bewertet; die VEKA-Unterlagen zum SOFTLINE 82 nennen die Luftschalldämmung ausdrücklich nach EN ISO 717-1 (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA) [Norm EN ISO 10140 prüfen]. Je höher der dB-Wert, desto weniger Schall dringt durch das Fenster.
Schallschutzklassen: was die Einteilung bedeutet
Um die Auswahl zu erleichtern, werden Fenster in Schallschutzklassen zusammengefasst, denen jeweils ein Bereich des bewerteten Schalldämm-Maßes zugeordnet ist. Die technischen Unterlagen zum VEKA SOFTLINE 82 verweisen dabei auf die Schallschutzklassen nach VDI 2719 (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA). Für die Mindestanforderungen an den Schallschutz im Hochbau ist in Deutschland darüber hinaus DIN 4109 maßgeblich, die den notwendigen Schallschutz je nach Außenlärmpegel und Raumnutzung festlegt (Quelle: DIN 4109) [Normbezug und aktuelle Fassung prüfen].
Konkrete dB-Werte je Klasse geben wir bewusst nicht pauschal an: Die VEKA-Unterlagen führen die Schallschutzklasse, aber keine allgemeingültigen dB-Detailwerte je Konfiguration (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA). Den für Ihr Fenster erreichbaren Wert weisen wir deshalb je nach Verglasung und Ausführung im Angebot aus. Eine kurze Einordnung der Klassen finden Sie auch im Glossar unter Schallschutzklasse.
Verglasung: der wichtigste Hebel
Für den Schallschutz zählt nicht in erster Linie, ob eine Verglasung zwei- oder dreifach ist, sondern wie sie aufgebaut ist. Wirksam sind vor allem:
- Dickere Scheiben – mehr Masse bremst Schall besser.
- Asymmetrischer Aufbau – unterschiedlich dicke Scheiben dämmen über einen breiteren Frequenzbereich, weil sie nicht bei denselben Frequenzen mitschwingen.
- Größerer Scheibenabstand und teils spezielle Füllungen im Zwischenraum.
- Verbundglas mit Schallschutzfolie – eine zähelastische Folie im Glas dämpft zusätzlich.
Beide von uns verarbeiteten Systeme lassen dickere Verglasungspakete zu, wie sie für Schallschutz typisch sind: Beim VEKA SOFTLINE 82 sind je nach Glasleiste Verglasungsdicken von rund 24 bis 54 mm möglich (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA); beim Aluprof MB-70 liegt der Bereich je nach Element (feststehend oder öffenbar) etwa bei 9 bis 62 mm (Quelle: Aluprof-Katalog, MB-70). Welcher konkrete Glasaufbau die gewünschte Schalldämmung erreicht, ergibt sich aus der Konfiguration – mehr zum Thema Scheibenzahl und Ug-Wert im Ratgeber Verglasung.
Profil und Dichtung: das VEKA SOFTLINE 82
Auch das Profil trägt zum Schallschutz bei. Das Kunststoffsystem VEKA SOFTLINE 82 hat eine Bautiefe von 82 mm und ist in zwei Dichtungsvarianten erhältlich: als MD-Variante mit Mitteldichtung (eine zusätzliche Dichtungsebene in der Flügelmitte) und als AD-Variante mit Anschlagdichtung (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA). Laut Hersteller ermöglicht die zusätzliche Dichtungsebene der MD-Variante tendenziell bessere Wärme- und Schalldämmwerte als die AD-Variante (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA). Für lärmbelastete Lagen ist die Mitteldichtungsvariante daher oft die naheliegende Wahl.
Beim Aluminiumsystem Aluprof MB-70 beschreibt der Hersteller das Profil als System mit „sehr guter Wärme- und Schalldämmung”; es ist thermisch getrennt und in der HI-Variante mit zusätzlichen Isoliereinlagen ausgeführt (Quelle: Aluprof-Katalog, MB-70). Konkrete Schalldämm-Werte in dB sind in den vorliegenden Aluprof-Unterlagen nicht beziffert. Welches Material für Ihre Situation passt, vergleichen wir im Ratgeber Kunststoff oder Aluminium.
Der Einbau entscheidet mit
Ein Schallschutzfenster wirkt nur als Gesamtsystem. Der im Prüfstand ermittelte Wert gilt für ein dicht angeschlossenes Fenster – in der Praxis entscheiden die Bauanschlussfuge, ein gut gedämmter Rollladenkasten und saubere Dichtungen darüber, wie viel davon ankommt. Wird nur die Verglasung getauscht, die Fuge aber vernachlässigt, bleibt der reale Schallschutz hinter dem Möglichen zurück. Deshalb gehört zum Schallschutzfenster immer auch der fachgerechte Einbau.
Fazit
Wie leise es hinter dem Fenster wird, entscheidet das Zusammenspiel aus Verglasung (dickere, asymmetrische Scheiben, größerer Abstand, ggf. Schallschutzfolie), Profil mit seinen Dichtungsebenen – beim VEKA SOFTLINE 82 begünstigt die Mitteldichtung den Schallschutz (Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA) – und dem dichten Einbau. Die Dämmung wird in Schallschutzklassen eingeteilt (Verweis auf VDI 2719; Quelle: SOFTLINE-82-Katalog, VEKA) und über ein bewertetes Schalldämm-Maß in Dezibel beschrieben. Konkrete dB-Werte nennen wir je Konfiguration im Angebot.
Sie möchten wissen, welche Schallschutzstufe zu Ihrer Lärmsituation passt? Beratung anfragen – wir beraten Sie zu Verglasung, Profil und Einbau. Aufmaß und Montage übernehmen wir im Ruhrgebiet, die Lieferung ist deutschlandweit möglich.